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Donnerstag, 4. Oktober 2018

Die Zimtschnecke im Einsatz für mehr Menschlichkeit

Bäckermeister Schmidt will den Laden schließen. Schnell räumt er die Regale leer. Dann wendet er sich der Auslage zu. Es liegt nur noch eine Zimtschnecke in der Auslage. Er bückt sich und will gerade nach ihr greifen, da sieht er ein kleines blondes Mädchen vor der Auslage stehen. Mit staunenden leuchtenden Augen schaut sie wie gebannt auf die Zimtschnecke. Ein Lächeln umspielt ihren Mund. Der Bäckermeister beobachtet die Kleine. Sie scheint ihn nicht zu bemerken. Da dreht sie sich auch schon um und geht mit gesenktem Kopf weiter.

Der Bäckermeister stürzt hastig aus der Tür. "He Kleine", ruft er ihr nach, "möchtest du die Zimtschnecke kaufen." Erschrocken dreht sich das Mädchen an. Ihre blauen Augen sind weit aufgerissen. "Ich habe kein Geld", murmelt sie dann leise vor sich hin. Der Bäckermeister greift sich mit der Hand an das Kinn und schüttelt leicht den Kopf. "So du hast kein Geld", sagt er dann. "Aber ich möchte sie auch nicht wegwerfen. Es kostet viel Zeit und Arbeit, bis die Zimtschnecke gebacken ist. Der Bauer auf dem Feld sät und erntet das Getreide. Der Müller mahlt es zu Mehl und ich backe sie dann. Den Kunden soll sie schmecken. Weißt du was, ich schenke sie dir. Niemand wird sie jetzt mehr kaufen und dich macht sie glücklich." Kurz entschlossen stapft er in den Laden zurück und kommt mit der Zimtschnecke in einer Serviette zurück. Mit leuchtenden Augen schaut ihn das Mädchen an. "Dankeschön." Ganz vorsichtig nimmt sie die Zimtschnecke in beide Hände und geht langsam fort. Ihre Augen sind wie gebannt auf die Zimtschnecke gerichtet. Sie spürt förmlich den süßen Geschmack in ihrem Mund. 'Sie hält sie wie einen Schatz', denkt der Bäckermeister noch, bevor er in den Laden zurückkehrt.


Das kleine Mädchen ist inzwischen zuhause angekommen. Sie steht in der Küche, wo sich die Familie bereits um den Abendbrottisch herum versammelt hat. Mit immer noch leuchtenden Augen hält sie ihrer Mutter die Zimtschnecke entgegen.

"Woher hast du sie?", fragt sie.
"Vom Bäcker geschenkt bekommen", antwortet das Mädchen.
 "Hast du etwa gebettelt", poltert der Vater los und springt auf. 
"Nein, ich habe sie nur angesehen", erwidert das Kind mit gesenktem Kopf, die Zimtschnecke immer noch in der Hand.

Die Mutter nimmt ihr die Zimtschnecke aus der Hand und legt sie auf den Tisch. "Du bekommst sie als Nachspeise", sagt sie dann zu der Kleinen. Die schüttelt energisch den Kopf. "Nein, ich möchte, dass jeder ein Stück bekommt. Wie sind doch zu dritt." Der Mutter steigen Tränen in die Augen. Der Vater schaut betreten weg. "Gut, wenn du das so möchtest, machen wir es so." Das Mädchen zieht ihren Mantel aus und setzt sich an den Tisch. Schweigend essen die Drei. Dann nimmt die Mutter ihr Messer und zerteilt die Zimtschnecke in drei gleiche Teile. Genüsslich schließt das kleine Mädchen die Augen. Was für ein Geschmack.

Am nächsten Morgen, das Mädchen schläft noch, läuft die Mutter zu Bäckermeister Schmidt. Sie klopft an die Fensterscheibe der Backstube. Er öffnet ihr.

"Ich wollte mich für die Zimtschnecke von gestern bedanken", beginnt sie zögernd.
"Das geht in Ordnung", antwortet der Bäckermeister.
"Ich zahle sie ihnen auch. Sie hat doch nicht gebettelt oder?"
"Nein das hat sie nicht, aber ihre Augen haben beim Anblick der Zimtschnecke so geleuchtet, dass ich sie ihr einfach schenken musste."
"Wissen Sie, wir haben nicht so viel Geld und Kuchen kaufen, können wir uns nicht leisten. Manchmal backe ich, aber geschenkt haben wollen wir auch nichts. Mein Mann wissen Sie. Er ist sehr stolz."
Der Bäckermeister nickt. Er überlegt kurz, dann dreht er sich um und holt ein paar Semmeln und drei frischgebackene Zimtschnecken aus der Backstube. Schnell packt er alles ein und drückt das Paket der Frau in die Hand. Erschrocken wehrt diese ab.

"Nein, nein das will ich doch nicht", stottert sie. "Ich wollte mich doch nur bedanken."
"Das geht in Ordnung gute Frau, wenn Sie sich dann besser fühlen, kommen Sie am Abend zu mir und räumen die Regale und die Auslagen leer. Nehmen Sie mit was Sie für sich brauchen und den Rest packen wir in einen Korb. Den stelle ich am nächsten Tag an den Eingang. Bedürftige können sich dann den Rest vom Vortag nehmen. So ist allen geholfen. Ich habe mich immer geärgert, dass ich Lebensmittel wegschmeißen muss."

Beschämt senkt die Frau den Kopf. Doch dann nickt sie. "Ich bin einverstanden und komme am Abend wieder. Danke." Rasch eilt sie davon.

Der Bäckermeister schließt das Fenster zur Backstube. Er freut sich innerlich sehr darüber, dass seine Backwaren nun immer einen Abnehmer haben werden, denn schließlich sind Lebensmittel sehr wertvoll. Ein kleines leises Lächeln schleicht sich in sein Gesicht.

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