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Sonntag, 29. Juli 2018

Prag - eine Stadt voller Geschichten - 1. Tag


Drei Tage Prag für eine Recherche zu meinem neuen Roman „Das Versprechen der Hugenottin“. Das war der Plan. Doch wie so oft kam es anders. Das Treffen mit einer Freundin fiel aus und ich hatte drei Tage für mich. Doch der Reihe nach. 


Kaum hatte mein Zug die Grenzstation überschritten, hielten wir an jeder Haltestelle. Der Grund dafür war ein defekter tschechischer Zug. Mein Zug hielt nun bis Brno an jeder Station und sammelte die Gestrandeten ein. Eine sehr pragmatische und gleichzeitig flexible Lösung, die mir eine halbe Stunde Verspätung einbrachte. Mir gegenüber nahmen zwei ältere Herrschaften Platz, die sofort ihren Proviant auspackten. Ich musste lächeln. Meine Eltern sind genauso. Als eine Pflaume auf den Boden fiel und ich sie wieder einsammelte, boten sie mir Kohlrabi, Pflaumen und Brot an. Ablehnen war zwecklos, also griff ich zu. „Češka?“, fragte mich der alte Mann. Ich schüttelte mit dem Kopf: „Němec.“ Und schon war ich in ein Gespräch verwickelt. Sie fuhren ebenfalls bis Prag und am Ende der Reise wünschten wir uns gegenseitig einen schönen Aufenthalt. Ich jedenfalls brauchte kein Mittagessen mehr.


Im Zug wurde ich tiefgekühlt. Als ich ausstieg, erschlug mich die Hitze. So muss sich ein tiefgekühltes Hühnchen fühlen, wenn es in den Backofen geschoben wird, dachte ich. Nur das es schon tot ist, währenddessen ich noch lebe. Der Schweiß rann mir aus allen Poren und mein Rucksack (11 kg schwer) tat sein Übriges. Diese verdammten Wasserflaschen. Ich trottete den anderen hinterher und stand plötzlich vor einer mobilen Polizeistation. Leicht irritiert sah ich um mich, doch ich lerne schnell. Die Polizei war in Prag mein ständiger Begleiter. Man sieht sie zu Fuß, beritten oder im Auto. Nachts kreisen sie mit dem Hubschrauber am Himmel und an touristischen Attraktionen werden sogar die Autos durchleuchtet. Man gewöhnt sich schnell daran. Prag ist eine laute lebendige Stadt. Da fällt ein wenig mehr Geheule von Sirenen gar nicht mehr auf.
 

Ich hatte auf ein Metroticket verzichtet. Kraft meiner Wassersuppe wollte ich alles zu Fuß erkunden. Schließlich umfasst die Altstadt gerade einmal vier Quadratkilometer. Fünfzehn Minuten später stand ich vor dem Hotel und durfte die Erfahrung machen, dass ich draußen bleiben musste. Vor vierzehn Uhr kein Einlass. Der Rucksack drückte und ich hatte Durst. Missmutig trottete ich in den nächsten Park und setzte mich in den Schatten. Ich war bereits um 4 Uhr aufgestanden und müde. Doch schlafen wollte ich lieber nicht. Und da war sie wieder, die Polizei. Jeder der irgendwie verdächtig war, wurde kontrolliert. Ich sah offenbar harmlos aus. Während ich auf der Bank saß, wurde ich mehrfach angebettelt. Ich schüttelte den Kopf. Endlich war es soweit. Zurück im Hotel gab es zunächst ein kleines Durcheinander mit meiner Buchung und ich musste eine Kaution hinterlegen. Doch schließlich, 30 Minuten später, war ich auf meinem Zimmer. Geduscht und umgezogen ging es wiederum 20 Minuten später in die Altstadt. 


Als ich mein Zimmer verließ, und mich dem Lift zuwandte, stieß ich plötzlich mit einem Mann zusammen. Er entschuldigte sich und fragte, ob er mich, quasi als Entschuldigung, einladen dürfe. In meinem Kopf überschlugen sich die Gedanken – fremder Mann, fremde Stadt und allein reisende Frau.  Ein kurzer abschätzender Blick. Ein Biker – lange graue Haare, wettergebräuntes Gesicht, stahlharte Muskeln und ein Kopf größer wie ich. Sah vertrauenserweckend aus. „Ok, aber erst am Abend.“ Er nickte und tatsächlich wurde es ein interessanter Abend mit diesem 65-jährigen Biker.
 

Ich ließ mich treiben, so ganz ohne Plan und ohne Ziel. Ich ging durch die Altstadt und fand sofort, quasi im Vorbeigehen, das Ziel meiner Reise – Jan Hus.

Jan Hus - Fenstersturz zu Prag





Ich spazierte durch enge Gassen und vorbei an Häusern, die unglaublich reich verziert waren und sicher viele Geschichten erzählen könnten.





Prag stöhnte unter der Hitze. Bevorzugt wurden Orte an denen ein Lüftchen wehte oder so wie auf diesem Bild zu sehen, eine Abkühlung geboten wurde.

Abkühlung auf tschechisch





Ich bog in eine Seitengasse ein. Hier war es schattig und etwas kühler. Dem Gewimmel der zahlreichen Touristen war ich entronnen. Plötzlich stand ich vor einer Synagoge. Ich zögerte einen kurzen Moment. Dann trat ich ein. Übrigens die Kosten belaufen sich bei fast allen Museen auf ca. 200 Kronen für den Eintritt. 


 
Da auch der jüdische Friedhof im Preis inbegriffen war, beschloss ich ihn gleich zu besuchen. Er lag quasi um die Ecke. Zunächst jedoch besuchte ich noch ein jüdisches Museum, welches den Holocaust zum Thema hatte. Und schon war die Erinnerung wieder da. Als ich vierzehn Jahre alt war, musste ich das KZ Sachsenhausen besuchen. Ich habe mir die Seele aus dem Leib gekotzt und den Besuch bis heut nicht vergessen. Umso unverständlicher für mich, dass das braune Gesockse heute wieder ungestraft marschieren und den Holocaust leugnen darf.

Opfer des Faschismus im 3. Reich








Der jüdische Friedhof ist beeindruckend. Es gibt ihn seit dem 15. Jahrhundert und es liegen bis zu drei Gräber übereinander. Alt und ehrwürdig.


Hier wachsen zwei Königskerzen - Symbol für ein langes Leben.




Zurück ging es wieder durch die Altstadt. Inzwischen hatte ich ein kleines Problem. Ich hatte Hunger. In der Tschechei ist Schwein Hauptnahrungsmittel. Das ist mir verboten. Also was essen, wenn der Hunger plagt?



Leider nichts um den Hunger zu heilen......



Kurz entschlossen versuchte ich mich an einer Lammwurst. Sie war gut, aber fett und mein Magen ließ es mich spüren. Während ich sie aß, schaute ich Kleinkunstkünstlern zu. Sie machten Seifenblasen und bessern sich so nebenher ihr Haushaltsgeld damit auf.


Seifenblasen zum Abschluß des Tages!        

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