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Freitag, 30. März 2018

Ostern - Neubeginn und Lebensfreude

Am gestrigen Gründonnerstag hat mir ein junger Mann wütend entgegengeschleudert, dass ich Millionen von Hühnern töte, weil ich an Ostern bunte Eier esse. Ich erwiderte: “Tut mir leid, aber die Hühner, die meine Eier gelegt haben, leben alle noch und rennen als glückliche Hühner auf einem Bauernhof herum. Nicht das sie mir gesagt hätten, dass sie glücklich sind, reden können sie ja schließlich nicht. Doch ihre Lebensbedingungen sind nicht die Schlechtesten.“ Er erwiderte daraufhin, dass Ostern genauso verlogen und sinnlos ist wie Weihnachten. „Jungchen, mal abgesehen davon, dass dir offenbar niemand Werte vermittelt hat und du zu Pauschalurteilen neigst, hast du den Sinn von Ostern offenbar genauso wenig verstanden wie den von Weihnachten.

Ostern ist für mich nicht nur ein Zeitpunkt im Kalender. Als ich Kind war, gab es übrigens nur bunte Ostereier, die im Garten zu suchen waren. Niemand machte aus Ostern ein zweites Weihnachten mit vielen Geschenken. Ostern ist für mich, ganz besonders auch in diesem Jahr, der Start in etwas Neues und das Ende von etwas Altem, das nun Vergangenheit ist.

Die Vorbereitung auf Ostern beginnt mit der Fastenzeit. Sie kann nicht nur den Verzicht auf Essen beinhalten, sondern auch auf das Auto oder andere Gewohnheiten, die wir aus unterschiedlichen Gründen ablegen sollten. Die Fastenzeit erinnert uns daran, dass wir Verantwortung übernehmen müssen für unser Leben, für die Welt und unsere Umwelt. Sie beginnt bereits an Aschermittwoch. Die vierzig Fastentage sollen an die vierzig Tage erinnern, an denen Jesus als Asket durch die Wüste zog. Es sind eigentlich 46 Tage, doch die 6 Sonntage werden nicht mitgerechnet. Es geht also um die Besinnung darauf, wer wir eigentlich sind, woher wir kommen, wohin wir gehen und mit wem. Der Mensch befreit sich von äußeren Einflüssen und schaut nach innen.

Am Palmsonntag beginnt die Leidenszeit von Jesus. Die Karwoche beginnt. Als er in Jerusalem ankommt, jubeln ihm die Menschen zu, weil sie hoffen von den Römern befreit zu werden. Doch aus Jubel wird Hass. Man klagt ihn an. Das Böse klopft an seine Tür.

Am Gründonnerstag feiert Jesus mit seinen Jüngern das Passahfest. Er sitzt mit seinen Jüngern ein letztes Mal zusammen und erklärt ihnen, um was es eigentlich geht, nämlich um Respekt und Wertschätzung. Das gegenseitige Dienen ist gefordert, ein Nehmen und Geben in Balance und nicht das Herrschen und Beherrschen. Nach alter Tradition wird an Gründonnerstag gesät und gepflanzt. Gründonnerstag war schon von alter Zeit her Zahltag für Schulden und Zinsen.

Der Karfreitag ist der Tag, an dem die Stille einkehrt. Es ist der Todestag von Jesus. Äußerlichkeiten spielen keine Rolle mehr. Trauer kehrt ein, weil etwas Wertvolles verloren gegangen ist. Jeder ist still und in sich gekehrt.

Für Christen ist das Osterfest das höchste Kirchenfest des Jahres. Für mich (evangelisch) ist es der Karfreitag. Am Ostersamstag endet die Fastenzeit. Die Nacht von Ostersamstag auf Ostersonntag steht für die Überwindung von Leid und Tod. Kerzen werden angezündet, sobald die Nacht hereinbricht. Die Osterfeuer sind ein Brauch, um die bösen Geister und den Winter zu vertreiben. Dabei steht das Feuer für die Sonne als Mittelpunkt des menschlichen Lebens.

Am Ostersonntag ist Jesus auferstanden. Er wurde erlöst von seinen Leiden und ist zu Gott zurückgekehrt. Am Ostermontag erscheint er seinen Jüngern. Die Erste, die ihn sieht, ist Maria Magdalena. Seit 2016 ist sie als Apostelin unter den Aposteln von der Kirche anerkannt. Lange Zeit von der männlich dominierten Kirche nicht anerkannt und verunglimpft, ist heute ihre Gestalt und ihr Wirken weitestgehend geklärt.

Die bunten Ostereier und auch die bunten Bänder stehen jedes Jahr wieder für die Fruchtbarkeit und den Neubeginn. Ihre Bedeutung verdanken sie den Protestanten, die, aus Protest gegen die katholische Eierweihe, das Suchen der bunten Eier einführten.

Der Osterhase hat aus alter Zeit eine Verknüpfung zu Ostern. Die Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit hat als Symbol einen Hasen und ein Ei. Für Aphrodite, die griechische Göttin der Liebe und Schönheit, ist der Hase der Fruchtbarkeitsbote. Im alten Byzanz war er ein Symbol für den auferstandenen Christus.

Die gesamte Osterzeit fordert uns also dazu auf, uns mit unseren Gewohnheiten auseinanderzusetzen. Wir sind es gewohnt, stets alles zur Verfügung zu haben. Der bewusste Verzicht zwingt uns zur Auseinandersetzung mit unserem Leben. Jeder möchte heutzutage ein eigenes Profil haben. Hier bietet sich die Gelegenheit, Profil und Gesicht zu zeigen. Man erweist sich als kreativer Mensch, wenn man sich bewusst mit den gegebenen Möglichkeiten auseinandersetzt, seine Möglichkeiten erkennt und sie umsetzt. Vertreiben wir also das Dunkle und machen uns auf in das Licht. Sinnlos und verlogen ist am Osterfest nichts, wenn man es nach alten Traditionen und Werten lebt, statt in einen sinnlosen Kaufrausch zu verfallen. Mein Osterfest verbringe ich mit mir nahestehenden Menschen, vielen bunten Ostereiern und tiefgreifende Gespräche über den Sinn und Unsinn des Lebens. Am Ende des Osterfestes betrete ich wieder einmal Neuland und ich freue mich drauf. 

Ich wünschen allen Menschen gesegnete und fröhliche Ostern!


©Birgit Wichmann; Wien